Warum sich deine Gitarre verstimmt — die Physik und die Abhilfen

Du hast vor fünf Minuten gestimmt und die E-Saite ist schon wieder zu tief. Es liegt nicht an deinen Ohren und (meistens) nicht an den Mechaniken — es ist Physik. Wer die Ursachen kennt, weiß genau, was zu tun ist.

Nähere dich der Zielnote von unten für ein stabiles Ergebnis
Nähere dich der Zielnote von unten für ein stabiles Ergebnis

Die üblichen Verdächtigen

  • Neue Saiten dehnen sich. Ein frischer Satz kriecht ein bis zwei Tage. Dehne vor: am 12. Bund greifen, sanft ziehen, nachstimmen, wiederholen.
  • Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Saiten und Holz dehnen sich unterschiedlich schnell aus. Eine Gitarre aus dem kalten Auto im warmen Zimmer kann 10–20 Cent driften. Lass sie sich akklimatisieren, dann stimme.
  • Das Aufwickeln an der Mechanik. Zwei, drei saubere Wicklungen halten besser als ein Vogelnest. Die Saite muss ohne Knick vom Wirbel laufen.
  • Der Sattel klemmt. Wenn eine Saite beim Stimmen pingt, hakt sie in der Sattelkerbe und löst sich mitten im Song. Etwas Bleistift-Graphit in der Kerbe wirkt Wunder.
  • Aggressives Spiel. Große Bendings und hartes Schrammeln ziehen die Saite kurzfristig hoch und langfristig runter. Nichts ist kaputt — prüfe nur öfter.

Stimmen, das hält

Nähere dich der Note immer von unten: Ist eine Saite zu hoch, senke sie deutlich unter das Ziel und komme zurück, damit die letzte Bewegung der Mechanik die Saite spannt. Prüfe nach allen Saiten die erste noch einmal im Stimmgerät — die Gesamtspannung verzieht den Hals leicht. Das gilt für jedes Bundinstrument, von der Gitarre in Drop D bis zum Ukulele, dessen Nylonsaiten sich noch länger dehnen als Stahl.

Die 60-Sekunden-Routine vor dem Üben

  1. Öffne das Stimmgerät — das Mikrofon hört sofort zu.
  2. Stimme alle Saiten und prüfe die erste erneut.
  3. Dehne die Saite, die immer wieder wegläuft.
  4. Starte das Metronom und beginne die Session gestimmt und im Takt.

Zur Kalibrierung: Unser Stimmgerät erlaubt es, die Referenz A4 von 440 Hz zu verschieben (415 für Barockensembles, 442 in manchen Orchestern) — aber wenn du nicht mit Musikern spielst, die einen anderen Standard nutzen, lass es bei 440.

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